„Jedes mal, wenn du etwas kaufst,
stimmst du für die Welt, die du dir wünschst.“ (Anna Lappé)

Wir konsumieren fast 10 kg Schokolade pro Person und Jahr.

Schon mit dem Kauf und Verzehr einer Tafel nachhaltiger Schokolade (oder eines Weihnachtsmanns aus Schokolade), tun wir etwas Gutes! Viele von uns wissen vielleicht nicht, dass Kakaopulver und natürlich Schokolade aus Kakaobohnen hergestellt werden. Kakaobohnen werden zu Kakaomasse verarbeitet. Allein in Deutschland werden mehr als 450.000 Tonnen Kakaomasse gefertigt.  Etwa 500 g Kakaomasse kann aus der jährlichen Ernte eines Kakaobaums hergestellt werden (je nach Alter des Baums). Die Nachfrage nach Kakaoprodukten steigt ständig. Das führt zu Problemen.
Ursprünglich sind die Bohnen weiß und werden erst durch die Trocknung ihre Braunfärbung und das uns bekannte Aroma erhalten. Nicht gelöst ist der Verbleib der Menge von Kakaoschalen, die man zum Beispiel zur Düngung, aber auch zur Herstellung von Tee verwenden könnte.
Nahezu 70 % des Kakaos stammt aus Afrika (Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun), da dort die klimatischen Bedingungen optimal sind. Allerdings wird nur etwa 1 % der Kakaoprodukte auch in Afrika produziert. 

 Der Autor fährt auf einer unbefestigten Straße in der Elfenbeinküste. Rechts und links zuerst dichter tropischer Wald. Dann wird der Wald deutlich lichter und es tauchen Kakaobäume auf. Ein Stück weiter verschwindet der Wald und es werden große Kakaoplantagen sichtbar, Da wird das ökologische Problem des Kakaoanbaus sichtbar: der Wald muss häufig weichen, damit Kakaomonokulturen entstehen können, die dann in der prallen Sonne stehen und dadurch auch einen sehr viel größeren Wasserbedarf haben. Nachhaltig wäre der Kakaoanbau, wenn die Bäume im Halbschatten wachsen könnten und dafür nicht rigoros die Wälder, teils durch Brandrodung, selbst in ausgewiesenen Nationalparks, vernichtet würden. Ursprünglich waren es überwiegend Kleinbauern im Verbund mit Kooperativen, die den Rohkakao lieferten. Heute sind es häufig Landlords, die große Plantagen betreiben. 

Der Kakaoanbau ist ein Wirtschaftszweig, bei dem Kinderarbeit eine große Rolle spielt. Nicht nur Kinder aus den Familien der Kakaobauern, auch Kinder aus den Nachbarstaaten werden aus Armutsgründen „verkauft“. Billige Kinderarbeit spielt deshalb eine wichtige Rolle. Man schätzt, dass mehr als zwei Millionen Kinder in der Kakaoernte eingesetzt werden. Die Kinder müssen schwere körperliche Arbeit leisten und haben keine Zeit für einen Schulbesuch. Nicht nachhaltig ist deshalb Schokolade, wenn bei der Ernte Kinder arbeiten müssen und auch giftige Pestizide zum Einsatz kommen.  

80% der Kakaoplantagen werden von Kleinbauern bewirtschaftet, für die der zu erzielende Verkaufspreis oft nicht zum Leben ausreicht. Der Kakaobauer erhält etwa 1 Prozent des Verkaufspreises einer Tafel Schokolade, die Hersteller etwa 35 Prozent und der Einzelhandel etwa 45 Prozent. Um die Kakaobauern nicht den schwankenden Preisen des Kakaos auf dem Weltmarkt auszusetzen, garantieren etliche Herstellbetriebe feste Abnahmepreise.
Der Klimawandel wirkt sich zunehmend negativ auf den Kakaoanbau aus. Die Vernichtung der Wälder, die zunehmende Trockenheit und die den wasserintensiven Kakaobäumen zusetzt, sind Gründe für die problematische Situation des Kakaoanbaus trotz steigender Nachfrage.  

Neben etlichen anderen Anbietern, soll hier auf zwei Beispiele von Firmen, die nachhaltige Schokolade produzieren, hingewiesen werden. 
Auch wenn Ritter Sport gegenwärtig in der Kritik wegen seines Festhaltens am Russlandgeschäft steht, muss hier darauf hingewiesen werden, dass ihr breites Schokoladensortiment weitgehend die wichtigen Nachhaltigkeitskriterien erfüllt. Das Unternehmen stellt sich selbst als Klimaneutral dar, es hat feste Lieferverträge mit Kakaobauern, zum Beispiel in Afrika und betreibt eine eigene Farm in Nicaragua. Bei den Zutaten wird auf nachhaltige Qualität geachtet. Die Verpackung ist recyclebar. Die Anstrengungen, die Ritter Sport unternimmt, um so gut als möglich nachhaltige Produkte auf den Markt zu bringen, sind beachtlich.
Ein weiteres wegweisendes Beispiel, wie man sowohl eine nachhaltige Bioschokolade produzieren als auch auf den Markt bringen kann ist das Unternehmen FairAfric, das unter dem Motto „Decolonize Chocloate“ nicht nur einen organischen (Bio) und sozial verantwortlichen Anbau des Kakaos garantiert, sondern auch die Produktion von Schokoladenprodukten in Ghana stattfinden lässt. Schokolade ist unter der Marke FairAfric mittlerweile in vielen deutschen Supermärkten zu finden. 

Obwohl man hört, dass etwa 70 Prozent unserer Schokolade „nachhaltig“ sei, ist auch beim Kauf dieser darauf zu achten, was darunter verstanden wird. Als Anhaltspunkt sollte bei der Auswahl des Produkts auf das UTZ/Rainforest Alliance- oder Fair Trade Siegel geachtet werden (z.B. GEPA). Da kann man relativ sicher sein, dass die Mindeststandards bei der Herstellung eingehalten werden. Mittlerweile gibt es auch kleinere Vermarkter, die nachhaltige Schokolade auf den Markt bringen. Auch wenn nachhaltige Schokolade ein wenig teurer sein sollte – es darf vielleicht ein bisschen weniger sein, aber das gute Gewissen isst ja mit. 

Autor: Lutz M. Büchner